Gurtenfestival 2010
15. - 18. Juli, auf dem Berner Hausberg trafen sich einmal mehr die Fans des Gurtenfestivals. Darunter auch Luise, Chiara und Anna, drei unserer jugendlichen Webreporterinnen. Sie berichten von ihren Eindrücken.
Gossip
Gossip spielte am Freitag um 19:00. Ich kam kurz vorher erst auf dem Gurten an und es hatte sich schon eine ziemlich grosse Fangruppe vor der Hauptbühne versammelt. Trotzdem fanden wir noch einen Platz, fast zuvorderst... Die Musik hat mir sehr gefallen (Alternative/Punk), leider hörte sich mit der Zeit alles recht ähnlich an... So richtig langweilig wurde es aber trotzdem nicht, und dies lag vor allem an Beth Ditto. Sie ist schon nur vom Äusserlichen eine sehr eindrückliche Person (...). Was mich vor allem begeistert hat, war, dass sie, obwohl sie fast kein Deutsch kann, mit dem Publikum „kommuniziert“ hat! Davon, dass sie irgendeinmal schamlos, laut und doch irgendwie auf eine sympathische Art ins Mikrofon gerülpst hat, wurde noch Tage danach geredet...
John Butler Trio
Das John Butler Trio spielte am Samstag um 19:00 auf der Hauptbühne. Ich hatte bis dahin noch gar nie von ihnen gehört und es war eigentlich eher ein Zufall, dass ich sie überhaupt sah. Jedoch ein sehr glücklicher Zufall, denn sie haben mir extrem gut gefallen! Ihre Musik (Funk Rock) fand ich super und man konnte auch gut dazu tanzen... Ausserdem legten sie eine mitreissende Show hin. Der Höhepunkt war, als der Schlagzeuger, der ja meistens eher im Hintergrund ist, alle dazu verleitete, sich umzudrehen, die Arme zu heben und schliesslich sogar abzusitzen... Für mich war dieses Konzert eindeutig eines der Besten!
Groove Armada
Nachdem Groove Armada eigentlich schon letztes Jahr eingeplant gewesen wären, dann jedoch kurzfristig abgesagt haben, spielten sie nun dieses Jahr am Samstag um 00:30 auf der Hauptbühne. Mir haben sie sehr gut gefallen und auch wenn ich schon ein bisschen müde war, konnte ich zu ihrer Musik (Electro-Pop) hervorragend tanzen! Gut hat mir auch das Kostüm der Leadsängerin gefallen und das Laserlicht, das zur Stimmung beigetragen hat.
Amy Macdonald
Amy Macdonald spielte am Sonntag um 19:30 als letzte auf der Hauptbühne. Ihre Musik fand ich ziemlich langweilig und eintönig. Jedoch war ich schon ziemlich geschafft von den vorderen Tagen und so war eine etwas ruhigere Musik (Folk Pop Rock) ganz willkommen. Es hat auch nicht gerade zur Stimmung beigetragen, dass schon währen des Konzertes immer wieder Leute davonliefen, wohl einfach weil sie nicht Lust hatten nach dem Konzert ewig für die Gurtenbahn anzustehen... Super jedoch fand ich die riesigen, weissen und blauen Luftballons, die haben immerhin für ein bisschen Stimmung gesorgt, im Gegensatz zu Amy mit ihrem ständigen, völlig übertriebenem „Danke schön“, „thank you so mutch“...
Texte und Fazit von Luise
Alles im allem fand ich das Gurtenfestival 2010 sehr gut!! Schon nur das Wetter aber auch die Stimmung, die Leute, die Musik im Allgemeinen und die meisten Bands im Speziellen waren super! Zwar habe ich vorher die wenigsten Bands aus dem Programm gekannt, jedoch fand ich gerade das sehr spannend. Man ging auch mal an ein Konzert von jemandem, den man noch gar nicht kannte und meistens, bei mir eigentlich immer, hat man es dann auch gut getroffen.
Our british darlings
Babyshambles
Sex, Drugs and Rock n’ Roll... und Pete Doherty. Die Band Babyshambles ist ursprünglich durch ihren skandalösen Frontman Pete erstmals in die Schlagzeilen gekommen. Doch inzwischen überzeugen sie mit gewitzten Texten und guten Melodien fast jedes Publikum. Auch am Gurten 2010 traten sie ohne „grösseren“ Zwischenfall auf.
Obwohl es bis zu wenigen Stunden vor dem Auftritt noch unklar war, ob die Band überhaupt eintreffen würde, war man zuversichtlich. Als die Band dann rechtzeitig auf der Bühne stand, wusste Pete einen kurzen Moment lang nicht mehr so richtig wie er seine Gitarre umlegen musste, doch als ihm die Technik zur Hilfe eilte, gelang es ihm. Zum Glück! Denn sofort füllte sich der Gurten mit einer wunderbaren Mischung aus Indie Rock und Post-Punk. Die üblichen Markenzeichen der Babyshambles waren natürlich ebenfalls vorhanden; Zigaretten gab es reichlich und als Erfrischung war eine Flasche Alkohol auch nicht fehl am Platz. Immer wieder gab es etwas unkoordinierte und schräge Tanzeinlagen und unvorhersehbare Gitarrensolos. Die Menge tanzte, schrie, schubste und drängelte, so dass es nicht sehr angenehm war in der vordersten Reihe zu stehen. Doch mit etwas Bühnenabstand war das Konzert gut geniessbar. Pete endete das Konzert mit den Worten „ Well. You’ve been a terrible audience. Thank you very much„ und schoss anschliessend den Mikrofonständer von der Bühne. Im allgemeinem war es für Babyshamble Standard ein sehr gelungenes Konzert.
The Kooks
Als die Band 2004 in Grossbritanien gegründet wurde, hat niemand mit ihrem schlagartigen Erfolg gerechnet. Doch als sie 2 Jahre später als bester Act aus Grossbritanien den MTV Europe Music Award gewannen und kurz darauf als Vorgruppe mit den Rolling Stones auf Tour durften, war es klar, dass diese Band etwas ganz besonderes war. Wie der Name The Kooks schon andeutet (the Kooks heisst auf Englisch so viel wie die Verrückten), war ihr Auftritt am Gurten alles andere als langweilig. Als sie mit einer viertelstunde Verspätung endlich auf der Bühne erschienen, legten sie gleich los und das Publikum bebte nach wenigen Sekunden. Sie hatten weder Tänzer noch irgendwelchen Firlefanz auf der Bühne und doch war es eine super Show, auch die Beleuchtung stimmte perfekt. Sie trugen eine gute Mischung alter und neuer Lieder vor und auch die Abwechslung zwischen schnellen und langsamen Stücken stimmte. Ein bisschen komisch war die frühzeitige Beendung des Konzertes, vor allem da sie verspätet begonnen haben. Doch das merkte kaum einer, da fast alle hellbegeistert von einem sehr gelungenen Konzert waren.
Last show
Tequila Boys
Als letzte Band war es nicht sehr einfach den Platz vor der Waldbühne noch zu füllen, nach Amy Mcdonalds auftritt gingen sehr viele Zuschauer nach hause. Doch den Musikern Baze, Etienne Marti, Beni Külling, Fabian Bürgi, Tevfik Kuyas und Raphi Jakob gelang es mit einer völlig schrägen aber gewitzten Show das übrig gebliebene Publikum zu sich zu locken. Schade war, dass die Band nur Covers spielte, wie zum Beispiel ‚Girls just wanna have fun` von Cyndi Lauper. Um dem Namen gerecht zu werden, gab es nach fast jedem Lied natürlich reichlich Tequila. Richtig vorbereitet waren sie scheinbar auch nicht, da immer wieder die Textblätter vom Ständer flatterten. Doch ich glaube kaum, dass das jemanden gestört hat. Die Auftretenden haben Witze gemacht, zur Musik getanzt und reichlich Spass an der Sache gehabt. Alles in Allem war es der perfekte Abschluss für das Gurtenfestival 2010.
Texte von Anna
Sens Unik
Die Hip Hop-Crew feierte auf dem Berner Traumberg ihren 20.Geburtstag. Und dies spürte man! Mit Gästen wie Greis, Dynamite, Breakdancern und weiteren heizten sie die Zeltbühne so richtig ein. Obwohl die Uhr schon zwei Uhr in den frühen Morgenstunden anzeigte und die Müdigkeit der vorherigen Tage zu spüren war, kratzte man die letzte Energie zusammen und gab noch mal so richtig Gas. Rapper Carlos Leal und Frontsängerin D.Bora hatten sichtlich Spass und das merkte man. Sie jagten sich gegenseitig auf der Bühne, lachten sehr viel und tanzten auf alle Weisen, die ihnen in den Sinn kam. Auch wenn Hip Hop nicht jedermanns Sache ist, Sens Unik schaffte es einfach, die Leute zu verzaubern. Wahrscheinlich auch wegen dem guten Mix aus langsamen Liedern und dem genauen Gegenteil. Meiner Meinung nach einer der besten Acts!
Empire Of The Sun
Vier Tänzerinnen, in ausgefallen Kostümen, betraten die Bühne. Laute elektronische Töne dröhnten aus den Boxen. Dann stellten sich zwei gegen über, so, dass wie eine kleine Wand entstand und hielten grosse, farbige Federn in die Mitte. Und schliesslich kam er. Der Sänger von Empire Of The Sun. Er durchbrach die „Mauer“ und die ersten Töne des bekannten Songs „Walking on the shore“ ertönten. Das Konzert war gut, die Show super (die Tänzerinnen zogen sich 3-4mal um), doch die meisten hatten mehr erwartet. Denn die Spannung, die am Anfang erzeugt wurde, liess nach kurzer Zeit nach. Da ihre Musik meist ähnlich scheint, langweilten sich viele. Ausser natürlich bei ihren Hits, da waren alle immer voll dabei. Der Gitarrist war im Gegensatz zu seinem Kollegen eher passiv dabei. Von ihm bekam man nicht viel mit, was aber niemanden störte. Wer auf Elektro, Pop und manchmal fast ein bisschen Rock steht, soll doch mal in ihre CD „Walking on a dream“ hinein hören.
Skunk Anasie
Wie ihr Namen schon verrät, ist Skunk Anasie ziemlich durchgeknallt. Was aber in keinster Weise negativ ist. Nach einem langen Streit, einer nicht funktionierender Solokarriere und der anschliessenden Versöhnung, trat die Band dieses auf dem Gurten auf. Auch wenn sie vielleicht nicht mehr so bekannt sind wie früher, war es doch sehr schade, dass sie schon um 16.00 Uhr performen mussten. Doch die Fans pilgerten trotz brennender Nachmittagssonne rauf und warteten brav. Was sich aber auch lohnte. Denn die Sängerin Skin ging ab wie eine Rakete. Kaum stand sie vor dem Publikum rannte sie wie eine Wilde rum und warf sich auch noch auf die Menge. Das gehört schliesslich zu einem guten Hard-Rock Konzert!
Milow
Mal ganz ehrlich: Milow hat eine schöne Stimme, momentan ein paar Hits, die dauernd im Radio auf und ab dudeln und eine super Background Sängerin. Doch ob er wirklich das Wahre war für die Meute, die grösstenteils nach pfiffigen Stunden lechzte? Die Pärchen fanden eine gute Gelegenheit, um sich zu liebkosen oder sich engumschlungen gegen die anderen zu rammen. Eigentlich eine super Abwechslung zum sonstigen Programm, das der Gurten zu bieten hatte. Aber eben: Abwechslung ist ja schön und recht, doch wenn eineinhalb Stunden nur langsamer Sound läuft, wird es dann mit der Zeit schon eher langweilig. Zum Glück gab es auch noch andere Orte, an denen man sich Musik, Essen oder Gewinnspiele reinziehen konnte.
Bamboo Bar
Eine Bar, die exotisch eingerichtet war und an den Süden erinnerte. Das Wetter perfekt zum Ambiente abgestimmt. Teilweise wie aus Eimern runterschütten, wie man es aus dem Regenwald kennt und dann wieder die hell erleuchtende und heisse Sonne, die erbarmungslos auf die Menschheit hinunter brennt. Wenn jedoch die Musik nicht so richtig gut ankommt beim Publikum, nützt da auch die schönste Einrichtung nicht. Vielleicht lag es auch daran, dass viele nicht mal wussten, wo die Bamboo Bar überhaupt lag. Jedenfalls fürs nächste Jahr: Sie steht genau oberhalb der Zeltbühne und es legen nur Dj’s auf, wenn jemand auf der Hauptbühne steht. Oder wenn die Aufführungen auf der Wald-und Zeltbühne zu Ende sind.
Texte von Chiara





